Nägel mit Köpfen

Als ich damals mit dem Bloggen angefangen habe, habe ich den Blog bei Blogger „gelauncht“, wie man so schön sagt. Irgendwann dachte ich dann, dass es blöd ist, wenn in der Blogadresse „blogspot“ mit drinsteht… wirkt ja nicht sonderlich professionell, oder?

Inzwischen bin ich zu verschiedenen Schlüssen gekommen:

1. Es ist mir völlig egal, wenn das Anhängsel „blogspot“ auftaucht. Es soll ja schließlich auf die Inhalte ankommen und nicht auf die Blogadresse, oder?

2. Ich arbeite lieber mit Blogger. Ich kann jeden verstehen, der lieber mit wordpress arbeitet (es gibt ja auch viele nette Features hier), aber die persönliche Vorliebe für bestimmte Arbeitsweisen schlägt doch durch.

3. Ich habe keine Lust, dafür zu bezahlen, dass in meinem Blog keine Werbung auftaucht. Ich lasse deshalb wordpress auslaufen. Basta.

Für Euch bedeutet dass, dass ich Euch meinen Umzug quasi „zumuten“ muss. Ihr findet mich ab sofort unter

http://ahnenforschung-owl.blogspot.de/

Leider musste ich feststellen, dass es nicht ganz so einfach ist, die ganzen Posts der letzten drei Jahre zu transferieren – ich bekomme immer irgendwelche blöden Fehlermeldungen, die mir sagen, ich solle es „später noch einmal versuchen“ (wann denn bitte, morgen, übermorgen, nächsten Monat oder in fünf Jahren?). Wenn es gar nicht anders geht, werde ich die Posts einzeln per Copy+Paste übertragen müssen. Uff. Aber bevor alles verloren geht….

Soll heißen: Ich werde in der nächsten Zeit wohl viel editieren müssen. Also habt etwas Geduld mit mir.

Termine im Juni 2015

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Samstag, 6. Juni 2015, 14.00 Uhr

OSFA Herford, Gaststätte Cassing, Bünder Str. 2, 32130 Enger

Genealogischer Austauschnachmittag mit Schwerpunkt Familien- und Hofgeschichte in Vlotho


Dienstag, 9. Juni 2015, 19.30 Uhr

Historischer Verein für die Grafschaft Ravensberg e.V., Kavalleriestraße 17, 33602 Bielefeld

Uwe Standera: „Kann ein seltener Vorname als Indiz für eine Abstammung gesehen werden?“


Samstag, 13. Juni 2015, 14.00 Uhr

OSFA Osnabrück, Gasthof Kolpinghaus, Hindenburgstraße 8, 49124 Georgsmarienhütte

Dipl.-Archivar Wolfgang Günter: „Kirchenbuchportal ARCHION“


1. Weltkrieg: Teilnehmer aus der Stadt Werther, Nachname mit „E“:

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(aus: „Das Kirchspiel Werther und der Krieg von 1914-1918“)

Nachname, Rufname, Beruf, Hausnummer, Dienstzeit, Dienstgrad

Edeler, Karl, Kandidat der Theologie, Nr. 48, 1914-1915 (gefallen), Musketier

Eickhoff, Otto, Techniker, Nr. 43, 1917-1919, Gefreiter

Ellerbrock, Hermann, Buchhalter, Nr. 203, 1915-1916, Landsturm

Erdbrink, Hermann, Lokomotivführer, Nr. 241, 1914-1915, Heizer bei Marine

Ermshaus, August, Landwirt, Nr. 110, 1914-1918 (gefallen), Wehrmann

Esdar, Hermann, Sortierer, Nr. 127, 1917-1918, Luftschiffer

Vortrag bei der Arbeitsgruppe Familienforschung im Kreis Herford am 02.05.15: Sebastian Schröder über „Deutsche Schrift und Sütterlin“

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Besser spät als nie – hier ist meine kleine Zusammenfassung:

Auch wenn ich Kurrent und Sütterlin inzwischen ziemlich gut lesen kann (jedenfalls bilde ich mir das ein): Es war schon interessant, sich diesen Vortrag anzuhören, und das nicht nur, weil es auch ein vierseitiges Handout gab.

(Was Handouts angeht, bin ich ja ein kleiner Nerd. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Handouts mag? Vor allem, wenn sie – wie hier – gut gemacht sind, was bei mir heißt, dass sie auch einen praktischen Sinn haben, den man dann mit nach Hause nehmen kann.)

Herr Schröder ist von Haus aus Geschichtswissenschaftler, und er kam irgendwann zu dem Schluss, dass es doch sinnvoll ist, wenn man als solcher die Quellen, die man benutzt, auch im Original lesen kann. Inzwischen gibt er auch Kurse zum Thema an der VHS, und es würde mich nicht wundern, wenn seine Teilnehmerzahlen nach diesem Nachmittag spürbar ansteigen – Interesse war im Publikum definitiv vorhanden!

Der erste Teil des Vortrags war eher theoretischer Natur; es ging um die Frage, wie es insbesondere ab dem späten Mittelalter überhaupt zur Verschriftlichung der existierenden Informationen kam: die Schrift als Speichermedium. Wenn etwas schriftlich festgehalten wird, dann erhöht sich auch die Bindungswirkung der Kommunikation, die ansonsten ja eher flüchtig ist. Nachdem 1721 auch in der Grafschaft Ravensberg die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden war, wurde auch im Privaten mehr geschrieben.

Im zweiten Teil des Vortrags lieferte Herr Schröder dann einen Überblick über die Entwicklung der Schriften von der spätgotischen Kursivschrift über die Konzeptschrift mit der Verflachung der Buchstaben, die Kurrentschrift mit der Entstehung der Ligaturen bis zum Sütterlin, das von den Nationalsozialisten ja schon nach kurzer Zeit wieder als „undeutsch“ abgeschafft wurde. Wer Sütterlin und Kurrent bis dahin noch nicht auseinander halten konnte, der war spätestens jetzt dazu in der Lage.

Teil drei drehte sich dann auch ganz konsequent um praktische Fragen: Was mache ich, wenn ich einen Text vor mir habe, bei dem ich Schwierigkeiten habe, ihn zu entziffern?

Im Zweifelsfall bleibt einem nichts anderes übrig, als Buchstabe für Buchstabe und dann Wort für Wort zu transkribieren. Für allgemeines Erstaunen sorgte der Hinweis, dass man einen solchen anscheinend unleserlichen Text auch ruhig mal ungestraft für ein paar Tage oder sogar Wochen weglegen kann, wenn man den Punkt erreicht hat, an dem man einfach nicht mehr weiter kommt. Da hat Herr Schröder wirklich recht – ich hatte auch schon diese Momente, in denen man einfach betriebsblind wird und gar nichts mehr ging. Wenn man sich nach einer Weile dann wieder hinsetzt, dann fallen einem die fehlenden Puzzleteile oft ungemein leichter.

Herr Schröder meint, dass dass man sich eine Schrift am besten aneignet, wenn man sie selbst schreiben kann. Glauben Sie mir – ich habe es versucht. Ich bin grandios gescheitert – ich schaffe es noch nichtmal, gerade in der Zeile zu bleiben. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu ungeduldig; ich kann’s nicht sagen. Für mich bin ich deshalb zu dem Schluss gekommen, dass es mir reicht, wenn ich Sütterlin und Co. lesen kann. Und um meine Umwelt ab und an mal zu quälen, reiche meine „normale“ Handschrift schon völlig aus…

Meine Vorfahrenliste … und die Probleme, die sie mit sich bringt

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Als ich seinerzeit mit dem Bloggen angefangen habe, dachte ich mir: „Ach, ich packe einfach die Liste meiner direkten Vorfahren auf eine Seite, dann kann jeder sehen, wonach ich forsche!

Leichter gesagt als getan. Die Liste ist inzwischen so ellenlang, dass man sich quasi die Finger wund scrollt, wenn man sie ganz lesen möchte. Auch sind die Vorlagen von Blogger und WordPress nicht unbedingt darauf eingerichtet, dass jemand derart viele Zeilen auf eine einzige Seite packt.

Ich würde zusätzlich noch gerne die Quellen einstellen, aber damit würde sich das Problem, wenn ich die Seite als solche so lasse, nur verschlimmern. Die Übersichtlichkeit würde wohl auch nicht unwesentlich leiden.

Ich hatte überlegt, ob es sich lohnt, die Liste zu splitten und zum Beispiel nach meinen vier Großeltern getrennt auf vier verschiedenen Seiten zu posten. Das könnte aber wieder schwierig werden, weil ich diverse Fälle von Ahnenschwund zu verzeichnen habe. Obwohl – die würden dann vielleicht nicht so auffallen…

Eine andere Möglichkeit wäre das Ordnen nach Nachnamen, wobei sich dann das Problem der Schreibweise stellen würde. Meine Torweihes zum Beispiel finden sich auch mal unter „ZurWeihe“ oder „Weyman“. Unter welchen Buchstaben packt man sie dann? Auch hier also wieder das Problem: Die Übersichtlichkeit würde doch arg in Mitleidenschaft gezogen, und zwar auch dann, wenn man die entsprechenden Querverweise mit einarbeitet.

Fakt ist aber, dass ich an meiner Vorfahrenliste hier dringend etwas tun muss, schon alleine, weil noch nicht alle Informationen eingetragen sind, die sich in der letzten Zeit ergeben haben. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie ich es anstellen werde, aber es wird sich in dieser Hinsicht demnächst durchaus etwas tun… 

Pater ipse?

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Ich stolpere immer wieder über Taufen, bei denen als Pate „pater ipse“ angegeben ist. Viereinhalb Jahre (also eine gefühlte Ewigkeit) Schullatein reichen bei mir noch aus, um diese beiden Wörtchen mit „der Vater selbst“ zu übersetzen. Woraus ich aber nicht schlau werde ich die Frage, warum man bei seinem eigenen Kind den Paten geben sollte. Und nur, um es einmal klarzustellen: Wir reden hier nicht von Nottaufen, bei denen auf die Schnelle keiner aufzutreiben war, der als Pate hätte herhalten können, sondern von ganz „normalen“ Taufen.

Was war der Sinn der Patenschaft? Dafür zu sorgen, dass das Kind auch ja im christlichen Glauben erzogen wurde? Dafür hatte man als Elternteil ja sowieso schon Sorge zu tragen, oder? Die soziale Komponente, wenn man möglichst angesehene Paten für das Kind fand?

Oder einfach nur die Bezeugung, dass die Taufe als solche stattgefunden hat? Das wiederum hätte aber ja auch der Pfarrer bestätigen können, der die Taufe ja schließlich vorgenommen hat…

Außerdem kann ich in den allermeisten Fällen belegen, dass nahe Verwandte in fußläufiger Nähe gewohnt haben, so dass man schon leicht einen anderen Paten hätte finden können (wenn man denn gesucht hätte). Ich habe Familien, bei denen drei Kinder mit „normalen“ Paten getauft sind und die anderen mit „pater ipse“, und zwar ohne dass ich ein bestimmtes Schema darin erkennen könnte.

Wo ist also der Sinn, der Vater Pate seines eigenen Kindes ist? 

PS: Eine „mater ipse“ ist mir dagegen erst einmal über den Weg gelaufen…

10 Tipps, wie Sie Ihren Stammbaum ruinieren können

  1. Schreiben Sie sich nie – niemals – nicht die Quellen auf, aus denen die Information kommt, die Sie in den Stammbaum einarbeiten.
  2. Nehmen Sie alles für bare Münzen, was sie von Verwandten hören („Ich glaube, der hatte einen Zwillingsbruder…“).
  3. Bleiben Sie bei der Ihnen bekannten Schreibweise des Familiennamens („Nein, die Schwenkers können nicht mit uns verwandt sein, denen fehlt ja das „t“!“).
  4. Nehmen Sie an, dass Ihre Vorfahren immer am selben Ort gewohnt haben, und zwar ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und Entwicklungen der jeweiligen Zeit.
  5. Sehen Sie gelassen davon ab zu bemerken, dass sich die Zugehörigkeit eines Ortes zu bestimmten Verwaltungseinheiten (Vogteien, Ämtern, Landkreisen oder auch ganzen Staaten) im Laufe der Jahrhunderte auch durchaus mal ändern kann.
  6. Gehen Sie davon aus, dass zwei Familien mit demselben Namen im selben Ort auch immer ganz eng verwandt sein müssen.
  7. Meiden Sie Archive wie die Pest, unter allen Umständen.
  8. Unterstellen Sie, dass Kirchenbücher immer mit der gebotenen Sorgfalt geführt wurden, vor allem, was Vornamen und Altersangaben bei Sterbefällen angeht.
  9. Glauben Sie alles, was Sie in den Stammbäumen anderer Leute finden, vor allem, wenn diese ihre Informationen „aus dem Netz“ haben.
  10. Wenn Zahlen, Daten und Fakten einfach nicht zusammenpassen wollen: Finden Sie einen Weg! Was nicht passt, wird passend gemacht! 

Lachende Großmütter

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Hier mal wieder ein Beitrag zur „52 Ancestors in 52 Weeks“-Challenge. Das Motto in dieser Woche lautet „My favorite Photo“.

Ich musste nicht lange überlegen! Hier ist es:

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Schade, dass das Original im Laufe der Jahre schon ziemlich gelitten und ein paar Knicke bekommen hat, wie man unschwer erkennen kann.

Das Foto zeigt meine Großeltern mütterlicherseits, Martha (Hauffe) Sickendiek (1918-1986) und Wilhelm Sickendiek (1914-1991). Das kleine krakehlende und sich offensichtlich sehr freuende Wesen in der Mitte ist meine Mutter 😉 (Von der übrigens heute keiner glauben will, dass sie tatsächlich schon in Rente ist. Aber von der Energie, die sie auf dem Foto schon andeutet, ist auch heute noch einiges übrig geblieben!) 

Ich bin mir nicht sicher, wann genau dieses Foto aufgenommen wurde. Wenn ich den Kranz an der Eingangstür links sehe, dann könnte es die Hochzeit meiner Großtante Gertrud 1948 in Halle gewesen sein, wenn ich davon ausgehe, dass meine Mutter vielleicht zwei Jahre alt ist. Sie kann sich selbst jedenfalls nicht mehr an dieses Ereignis erinnern. Auf jeden Fall wurde gefeiert! Ich wüsste übrigens nicht, dass ich meine Großmutter irgendwann zu meiner Zeit mal mit einer Quetschkommode (oder auch nur irgendeinem anderen Instrument) gesehen hätte. Sie müsste auf dem Foto ungefähr 29 Jahre alt gewesen sein, mein Großvater 34.

Was ich an dem Foto so besonders mag? Es sind gleich drei meiner Lieblingsmenschen darauf vertreten, und alle sehen glücklich aus, vor allem der Wonneproppen in der Mitte. Auch meine Oma lacht, was auf Fotos ansonsten eher seltener der Fall ist. Und mein Opa hat noch Haare… wenn auch ein paar davon dem Knick zum Opfer gefallen sind.

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Einen weiteren Kandidaten für mein Lieblingsfoto gab es allerdings noch, bezeichnenderweise eins meiner anderen Großmutter, dieses Mal väterlicherseits, Anne (Gehring) Schwentker (1911-1962).  061

Wieder kann ich nicht genau sagen, wann das Foto aufgenommen worden ist – auch hier könnten es die Vierziger Jahre gewesen sein, vielleicht aber auch noch die späten Dreißiger -, aber dafür habe ich eine konkrete Ahnung, wo es geschossen wurde, nämlich im Garten meiner Urgroßeltern an der Mühle in Häger.

Und auch hier gefällt mir so an dem Foto, wie glücklich sie in die Kamera guckt! 

Es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den beiden Fotos: Beide meine Großmütter hatten im Gegensatz zu mir tolle Beine, die sie quasi dazu prädestinierten, Röcke zu tragen. Und knapp 70 Jahre später sitze ich hier und frage mich seufzend, warum sie dieses Gen nicht an mich vererbt haben… 

„Die Amis kommen!“

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Das war der Ausruf, den man heute vor genau 70 Jahren überall im Altkreis Halle hörte.

Hätte ich nicht gestern in der Zeitung einen entsprechenden Artikel darüber gelesen, dann hätte ich dieses Datum glatt verpasst. Dabei war der Artikel im Westfalen-Blatt gar nicht mal so uninteressant; er enthielt auch eine Karte, in der die Wege der verschiedenen Beteiligten nachgezeichnet werden. Aus urheberrechtlichen Gründen verzichte ich aber darauf, sie einzuscannen und hier einzustellen. Deshalb hier auch nur eine Kurzzusammenfassung der Ereignisse:

Der 1. April war ausgerechnet der Ostersonntag im Jahr 1945. Von einem ruhigen Feiertag mit Eiersuche und Aprilscherzen konnte aber keine Rede sein. Die 5. Armored Division der US Army traf im Altkreis auf Reste der 5. SS-Panzerdivision Wiking. Das erste Ziel war Versmold.

Schon am Vortag, dem 31.03.1945, waren der Versmolder Bürgermeister und einige Mitglieder des Volkssturms so klug gewesen, den verbliebenen deutschen Soldaten klar zu machen, dass Versmold nicht zu verteidigen sei, so dass man sich größtenteils nach Borgholzhausen verzog. Trotzdem liefen noch ein paar versprengte SS-Männer herum, schon teilweise in Zivil, und begannen Schießereien. Ihr Ziel war es, die Öffnung der Panzersperren zu verhindern. Bei der Zerstörung des Hauses Münsterstraße 60 starben acht Menschen. Im Ortsteil Hesselteich wurde ein Tankwagen in Brand geschossen. Bei den Kämpfen dort starben 18 Soldaten – neun auf jeder Seite.

Gleichzeitig ging es auch in Borgholzhausen zur Sache. Als dort am Morgen des 3. April 1945 der Beschuss endgültig eingestellt wurde, hatten schon 22 Menschen ihr Leben gelassen. Man war wegen des heftigen Widerstandes allen Ernstes kurz davor gewesen, diese kleine Stadt am Teutoburger Wald mit nicht einmal 2.000 Einwohnern zu bombardieren, so absurd einem das aus heutiger Sicht auch vorkommen mag.

Tags zuvor, am Ostermontag, hatten es die Haller den Amerikanern dagegen wesentlich leichter gemacht: Bürgermeister Eduard Meyer zu Hoberge hatte in weiser Voraussicht  erst gar keine Straßensperren errichten lassen, so dass die Amerikaner geradezu unbehelligt aus Kölkebeck kommend die heutige Alleestraße bis zum Amtshaus (heute: Rathaus) hinter sich bringen konnten, wo sie die Kapitulation der Stadt entgegen nahmen.

Zwei „Zwischenfälle“ gab es aber trotzdem: Das Haus der Kreishandwerkerschaft brannte, was problematisch war, weil in direkter Nähe noch Fachwerkhäuser standen. Ein amerikanischer Soldat soll ein Bild von Hitler entdeckt und mit einer Granate beworfen haben (was man ihm wohl nicht verdenken kann). Besonderes Pech hatte der Steinmetzmeister Wilhelm Schmidt. Er wollte wissen, wie die Lage denn war, riskierte einen Blick aus dem Luftschutzkeller – und fing sich gleich eine MG-Salve ein. Man hatte ihn wohl versehentlich für einen Scharfschützen gehalten.

Was als nächstes folgte, war eine Kollaboration von „Siegern und Besiegten“: Man plünderte die Bestände der Brennerei Kisker. Angeblich fand man an die 100.000 Flaschen Wacholder. Ich bin mir sicher, dass man sie gut gebrauchen konnte.

Am selben Tag ging es für die Amerikaner noch weiter über den Teutoburger Wald  nach Werther. (Wie es aussieht, sind sie auch an dem Haus vorbeigekommen, in dem ich jetzt gerade sitze und diese kleine Zusammenfassung schreibe. Ich werde mich das nächste Mal daran erinnern, wenn ich wieder genervt bin, dass gewisse Motorradfahrer hier gerne mal ein paar Gänge höher schalten. Trotz des höllischen Lärms, den sie dabei veranstalten, sind sie im Vergleich zu Panzern und Infanterie ja nun wirklich noch das kleinere Übel…)

Nach Werther wurde von zwei Seiten einmarschiert – über die Borgholzhausener Straße und über die Haller Straße. Beide waren durch Panzersperren gesichert.

An der Borgholzhausener Straße gab es einen heftigen Schusswechsel. Zwei Soldaten wollten gucken, wie weit die Amerikaner denn noch entfernt waren, und wurden sofort erschossen. Die Amerikaner eröffneten das Sperrfeuer, die Deutschen antworteten. Der Führungspanzer von Lt. Kleinsteiber wurde ausgeschaltet; Kleinsteiber überlebte nicht. Werther wurde trotzdem eingenommen; die Truppen bewegten sich über die Engerstraße; man wollte weiter nach Jöllenbeck. Dabei kamen sie direkt direkt am Haus meiner Familie neben dem damaligen Kippskrug vorbei. Ich kann nicht sagen, wo mein Großvater an diesem Tag war, aber meine Großmutter mit meinem Vater und die noch drei noch lebenden Schwestern meines Großvaters werden zu Hause gewesen sein.

An der Ecke Engerstraße/Jöllenbecker Straße, gegenüber vom Kippskrug, stand ein Kotten, der zum Grundstück gehörte. Aus Erzählungen weiß ich, dass dieser Kotten beschossen worden sein soll, allerdings ohne dabei in Brand zu geraten. In diesem Kotten soll eine Familie Kämper oder Kemper (ich kenne nun die genaue Schreibweise nicht) gewohnt haben. Inzwischen ist der Kotten aber längst abgerissen; heute steht dort ein Neubau. Falls jemand etwas über diese Episode weiß: Info bitte an mich. Schließlich wohnte meine Familie nur 100 Meter entfernt.

Der Vollständigkeit halber soll Steinhagen nicht unerwähnt bleiben: Hier starben bei einem „Scharmützel“ um den Hof Detert am 3. April sechs Deutsche und zwei Amerikaner.

Wenn ich richtig gezählt habe, dann komme ich auf insgesamt 59 Tote. Viel zu viel, vor allem wenn man bedenkt, dass der Krieg zu diesem Zeitpunkt ja im Grunde schon entschieden war.

Ich weiß nicht, wie die Menschen den Einmarsch der Amerikaner damals empfunden haben. Mit einem Aufatmen, dass nun bald der Krieg zu Ende sein würde? Mit Angst, weil man nicht wusste, was danach kommen würde und man Vergeltung fürchtete?

Bald danach wurde auch der Altkreis Halle britische Besatzungszone.

Ich für mich habe es nie so empfunden, dass Deutschland den Krieg „verloren“ hätte, und ich glaube, dass diese Einstellung noch nicht einmal etwas mit der Rede zu tun hatte, die Richard von Weizsäcker damals gehalten hat, als er sagte, dass das Kriegsende auch für die Deutschen ein „Tag der Befreiung“ war. Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen, dass man einen Krieg wirklich „gewinnen“ kann. Bei soviel Leid auf allen Seiten kann es doch keinen „Gewinner“ geben, oder? Nur ein Ergebnis. Und ein Teil dieses Ergebnisses ist, dass weder meine Eltern noch ich in einer Diktatur aufwachsen mussten.

Die Mentalität der Wertheraner?

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Dieses wird ein Blogpost, der sich von den anderen ein wenig abhebt, denn er betrifft nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart, und das aus traurigem Anlass.

Beim Absturz der Germanwings-Maschine vorgestern in den französischen Alpen waren auch zwei Wertheraner an Bord. In Werther ging es, typisch Kleinstadt, blitzschnell herum, um wen es sich handelte: Die Erzieherin, die damals meinen Kindergarten leitete, und ihren Mann. Sie hatten den Bruder der Frau besucht, der in Spanien wohnt. Man kann sich die Bestürzung vorstellen, und auch mein Mitgefühl geht an die Familie.

Schlechte Nachrichten verbreiten sich immer besser als gute. Ob man es will oder nicht, beim Bäcker, im Supermarkt oder in der Eisdiele trifft man immer jemanden, der sie einem brühwarm erzählt.

Heute Morgen lese ich dann den entsprechenden Artikel in der Zeitung. Mir war immer schon von „Zugezogenen“ kolportiert worden, dass die Wertheraner ja „etwas komisch“ seien, wenn es um „Zugezogene“ ginge. Ich wollte das nicht wirklich glauben, denn schließlich bin ich ja in Werther aufgewachsen und hatte dort eine klassische 70er-Jahre-Kindheit, an die ich mich heute wirklich gerne erinnere.

Zurück zum Artikel. Darin findet sich der Satz: „Und obwohl der gebürtige Berliner ein so genannter Zugereister war, erwarb er sich durch sein Auftreten und seine Haltung gegenüber den Menschen viel persönliche Anerkennung.“

Ich bin fast hinten rübergeschlagen. Da hatte ich es buchstäblich schwarz auf weiß. Der Mann hatte immerhin 10 Jahre im Stadtrat gesessen und war stellvertretender Bürgermeister, unter anderem. Soll heißen, dass er sich mehr für die Stadt engagiert hat als so mancher anderer, der 80 Jahre dort gelebt, aber immer immer nur sein eigenes Süppchen gekocht hat. Trotzdem hört sich das für mich so an, als wäre das „Woanders-geboren-Sein“ schon ein schwerer Nachteil, um überhaupt hier Fuß fassen zu können.

Ich frage mich jetzt, ob das eine Haltung der Zeitung oder tatsächlich eine Haltung der Wertheraner ist. Oder – noch schlimmer – beides. Oder vielleicht eine Grundhaltung in ostwestfälischen Kleinstädten? Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich, zumindest was Werther angeht, auch etwas voreingenommen.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass diese Einstellung „Der is‘ ja nich‘ hier wech, das kann also nix sein“ inzwischen überholt hätte. Anscheinend nicht. Und wenn das so ist, dann sollte man das schleunigst nochmal überdenken.

Jedenfalls wünsche ich mir, dass ich einen solchen fürchterlich kleingeistigen Satz in meiner Zeitung nicht mehr lesen muss.